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Die Goldhaube wurde einst genau so hergestellt wie jetzt. Ein 16 x 112 cm langes Goldstoffband wird gewebt und in einen Stickrahmen eingespannt. Entweder wird das Stickmuster nach freier Phantasie entworfen oder es werden Anleihen bei alten Goldhauben und volkskundlichen Mustern gemacht.

Was aber nun auf das Gewebeband gestickt wird, macht die Pracht und den Preis der Haube aus. Was heute als Pailletten bezeichnet wird, nannte man früher Flinserln. Diese vergoldeten Flitterplättchen waren im Biedermeier oft aus Silber, sie sind heute aus Kupfer oder verwandten Legierungen. Die Flinserl sind zwar nur so groß wie Linsen, haben aber die verschiedensten Formen. So gibt es zum Beispiel die „Schüsselflinserl“, die „Krausllinserl“, die wie ein Türkenbund gestalteten „Bündel“ oder die besonders kostspieligen Bouillonen.

Nachdem dieser goldene Streifen bestickt ist, muss der besonders schwierige Knauf angefertigt werden. Alles zusammen wird dann auf ein Drahtgestell, das aus zwei verschieden großen Kreisen besteht, die miteinander durch Drahtrippen verbunden sind, montiert. Füttern der Haube und Aufsetzen der schwarzen Spitzenmasche bilden die letzten Arbeitsgänge.

In den meisten Fällen stellen die Frauen selbst, unter Anleitung einer kundigen Stickkursleiterin ihre Haube eigenhändig her. Natürlich gibt es im Lande Oberösterreich auch noch einige Goldhaubenstickerinnen, die diese kunstgewerbliche Tätigkeit für den Verkauf ausüben oder sie wird von Generation zu Generation weitergegeben. Wie lang man an der Goldhaube stickt, hängt von der persönlichen Begabung und von der Fingerfertigkeit ab. Man rechnet etwa 300 Arbeitsstunden, die in dieses Werk investiert werden müssen.

Viel Zeit und viel Geld stecken also in einer solchen Goldhaube und noch einiges mehr: Fleiß, Ausdauer, Geduld und Selbstüberwindung müssen aufgebracht werden, um so ein Werk fertig zu stellen. Die Investition der ideellen Werte zeichnet die selbst geschaffenen Hauben aber auch sehr aus. Die Besitzerin, die in diesem Fall mit der Erzeugerin ident ist, hat von vornherein eine recht innige und glückhafte Beziehung zu ihrer Goldhaube.